Diese legendäre kleine Straße der Alchemisten, Bogenschützen, Armen, Bettler und Poeten, die dicht gedrängt in den kleinen Häusschen wohnten, kann man am besten erleben, wenn sie vom spärlichen Laternenlicht in Schatten gehüllt wird.
Dann kann man der Phantasie freien Lauf lassen.
Die Gasse befindet sich etwas abgelegen in der Nordostecke der Burg, hinter dem St. Georgs Kloster. Die Gasse entstand im 16. Jahrhundert, als arme Geschäftsbesitzer und Handwerker vor einem Brand flüchteten und sich hier niederließen.
Zu den Handwerkern gehörten auch Goldschmiede, nach denen die Gasse (Zlatnicka) benannt wurde.
1916 kam Franz Kafka und verfasste in dem Häusschen seiner Schwester Olga (Nr. 22) sechs seiner besten Kurzgeschichten. Er beschrieb die Gasse sogar in dem unvollendeten Roman "Das Schloss".
Deutsche Romantiker behaupteten im 19. Jahrhundert, im Goldenen Gässchen seien Alchemisten am Werk gewesen, um für Rudolf dem 2. Blei in Gold zu verwandeln. Blitzschnell wurde das Goldene Gässchen als Alchemistengasse bekannt.
Doch auch die Tschechen haben ihre eigenen Legenden, die sich um das Goldene Gässchen ranken. Einer der Gef?ängnistürme, wo die Händler ihre Waren an die Gefangenen verkauften, wurde - und wird natürlich immer noch - vom noblem Ritter Dalibor heimgesucht.
Er war dort gefangen, weil er im 15. Jahrhundert einen Bauernaufstand angeführt hatte.
Um sich seine Langeweile zu vertreiben, lernte er angeblich das Geigenspiel. So konnte man im Goldenen Gässchen wunderbar traurige Musikstücke hören, selbst nachdem Dalibor hingerichtet worden war.
Das in der Legende auftauchende Wort "housle" bedeutete aber nicht nur Geige, sondern auch Folterbank. Geigenspiel oder Schmerzenschreie- einige Prager glauben bis heute, dass aus dem Goldenen Gässchen wundersame Geräusche dringen.
Am westlichen Ende des Goldenen Gässchens führen am Haus Nr. 24 Treppen hinauf.
Noch heute sind dort die kleinen eingerichteten Gefängnistürme. Auf der gleichen Ebene kann man sich dort auch im Armbrustschiessen versuchen (...).
Text:Cathrein Koopmann
Das sind Ausstellungsstücke die man im Haus Nr.24 besichtigen kann.